Medizinrecht

Haftungserleichterung für Berufsanfänger?

RA Stefan Krappel
7.12.2018
OLG Hamm, Urteil vom 13.11.2018 — Aktenzeichen: 26 U 56/18

Sachverhalt

Der Kläger stellte sich im beklagten Krankenhaus nach einem Treppensturz vor. Nach klinischer Untersuchung und Anfertigung von Röntgenbildern wurde die Diagnose einer Distorsion gestellt und der Kläger entsprechend mit der Empfehlung von Kühlung und Schonung behandelt.

In der Folgezeit ist es aufgrund einer kontraindizierten Vollbelastung zu einer groben Luxationsfehlstellung gekommen.

Das Landgericht hat der auf Schmerzensgeld und Schadensersatz gerichteten Klage stattgegeben.

Entscheidung

Das OLG Hamm hielt die Berufung der Beklagten für unbegründet.

Nach Einholung eines Sachverständigengutachtens konnte festgestellt werden, dass eine nicht dislozierte Fraktur im Bereich der distalen Tibia des linken oberen Sprunggelenkes des Klägers von den Ärzten der Beklagten übersehen worden ist. Der Sachverständige hat ausgeführt, dass allenfalls ein Berufsanfänger die „schon schwer zu erkennenden“ Frakturlinien hätte übersehen können. Dagegen hätte ein Unfallchirurg oder Orthopäde mit der entsprechenden Berufserfahrung diese Frakturlinien sehen müssen, so dass spätestens in der Röntgenbesprechung die Fraktur hätte auffallen und hierauf reagiert werden müssen.

Folgt man der Entscheidung könnte man in einem vergleichbaren Fall bei der Befundung durch einen Berufsanfänger eher zu dem Ergebnis kommen, dass nur ein nicht vorwerfbarer Diagnoseirrtum vorliegt. Allerdings könnte es am Krankenhausträger liegebn, durch geeignete Organisation sicherzustellen, dass die Diagnosen von Berufsanfängern hinreichend hinterfragt werden, z.B. in der Röntgenbesprechung.

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