Tierhalterhaftung

Tierhalterhaftung

RA Stefan Möhlenkamp
18.9.2017
OLG München, Urteil vom 23.6.2017 — Aktenzeichen: 10 U 4540/16

Leitsatz

1. Befinden sich zwei Hunde nicht angeleint auf einer Wiese und stürzt ein sich auf einem Radweg annähernder und bremsender Radfahrer, als ein Hund einen Haken schlägt und auf den Radweg zuläuft, ist maßgeblich dafür, ob sich auch die Tiergefahr des anderen Hundes unfallursächlich ausgewirkt hat, ob sich die Hunde in gleichsam spielerischer Weise gegenseitig über das Wiesengelände gejagt haben und einer der Hunde, während er von dem anderen gejagt wurde oder als Folge des gemeinsamen Interagierens der Hunde auf den Radweg lief und die Bremsreaktion des geschädigten Radfahrers auslöste, wodurch dieser erheblich verletzt wurde. Dies gilt auch bei einem Abstand der Hunde zueinander von mehreren Metern.

2. Die Unberechenbarkeit des tierischen Verhaltens erhöht sich dadurch, dass mehrere Hunde miteinander spielend und balgend umherlaufen. Die Hunde wirken dann gegenseitig so aufeinander ein, dass sie entsprechend ihrer Natur unkontrolliert umherlaufen. In einer derartigen Fallkonstellation sind alle beteiligten Hundehalter nach § 833 S. 1 BGB für Schäden ersatzpflichtig, die die Hunde einem Dritten oder einem Halter selbst zufügen, wobei die Halter nach § 840 Abs. 1 BGB als Gesamtschuldner zu haften hätten.

3. Demgegenüber scheidet eine Haftung des Hundehalters aus, wenn unklar bleibt, wo sich in dem Zeitpunkt, in dem der den Fahrradfahrer zur Ausweichreaktion zwingende Hund auf den Radweg gelaufen ist, der andere Hund sich befand bzw. sich bewegte.

Sachverhalt

Der Kläger ist die Haftpflichtversicherung des Hundes der Zeugin A. Gegenstand des Rechtsstreits ist ein Unfall auf einem beschilderten gemeinsamen Fuß- und Radweg. Die Beklagte mit ihrem Pudel und die VN des Klägers (Zeugin A) , mit ihrem 6 Monate alten Flat Coated Retriever namens Fynn gingen spazieren, die Hunde befanden sich nicht angeleint auf der an den Weg angrenzenden Wiese. Die verletzte Zeugin S. näherte sich auf ihrem Fahrrad auf dem gemeinsamen Geh- und Radweg der Wiese, auf der sich die Hunde befanden, der Hund der Zeugin Dr. A. schlug einen Haken und lief auf den Radweg zu, die Geschädigte, die keinen Helm trug, bremste, stürzte und schlug mit dem Hinterkopf auf den Asphalt und erlitt u.a. eine Schädelfraktur. Der Kläger bezahlte Heilbehandlungskosten und Verdienstausfall unter Anrechnung von 30 % Mitverschulden an die Geschädigte S., insgesamt 40.748,69 €. Hiervon macht er im Wege des Gesamtschuldnerausgleichs 50 % geltend.
dst@dst.tux4web.de info@dadadada.de